Alexander Newski
DEUTSCHE VERSION


russische Version
 

Über das Feiern der Geburt Christi,
die Weihnachtsfeier für die Kinder
und den Fernsehbericht des RBB

Ded Moros from Project "Velikiy Ustyug - residence of the Ded Moros"

Im Anschluss an die göttliche Liturgie am 7. Januar 2007 wurde von der Gemeinde der russisch-orthodoxen Kirche des Hl. Aleksander Newskij in Potsdam das Weihnachtsfest für Kinder und Erwachsene veranstaltet. Beide Ereignisse wurden von einem Fernsehteam des Senders Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) begleitet.

Das Fest wurde vom Pfarrer unserer Kirche, dem Erzpriester Vater Anatolij, eröffnet. Darauf folgte eine kleine Theatervorstellung über die Geburt Christi. Vor dem liebevoll gestalteten Bühnenbild erschien den Hirten der Engel und verkündete ihnen die frohe Botschaft über das Kommen des Erlösers in die Welt. Geleitet vom Bethlehem-Stern traten auch die Waisen aus dem Morgenland auf und brachten ihre Gaben dem neugeborenen Jesus Christus. Die Kinder waren sehr aufgeregt und voller Stolz und bemühten sich mit allen Kräften, die weihnachtlichen Lieder und Gedichte den gerührten Gemeindemitgliedern, ihren Familienangehörigen und allen anderen Gästen zu präsentieren.

Auch Djed Moros, Väterchen Frost, beehrte das Fest mit seiner Anwesenheit. Er gewann sofort das Vertrauen der Kinder, die ihm ihre Gedichte und Lieder in Russisch, Deutsch und Englisch vortrugen. Keines der Kinder blieb ohne Geschenk. Für sie wurden auch  verschiedene Spiele und Wettbewerbe organisiert. Außerdem gab ein kleines Konzert, bei dem die Kinder ihr musikalisches Können demonstrieren konnten. An diesem freudigen Fest nahmen sowohl Kinder aus orthodoxen und evangelischen Familien teil als auch aus Familien von Nicht-Gläubigen. Das Weihnachtsfest, die Feier für die Kinder und auch Djed Moros einigten alle Anwesenden unabhängig von ihrem Glauben und ihrem Alter und schenkten uns allen Wärme und Freude des menschlichen Miteinanders.

Da sowohl beim feierlichen Gottesdienst als auch bei der Weihnachtsfeier für die Kinder ein Fernsehteam des Senders RBB anwesend war, warteten Gemeindemitglieder und Gäste gespannt auf den Bericht über unser Fest in den abendlichen Nachrichten. Zu unser aller Erstaunen und großem Unmut wurde die Aufmerksamkeit der Fernsehzuschauer durch die Autoren der Reportage keineswegs auf die orthodoxe Weihnachtstradition und auf den alle einigenden Geist des Festes gelenkt. Die Teilnahme der über vierzig Kinder an der Eucharistie samt der Kommunion kam im Bericht überhaupt nicht vor. Für uns jedoch ist das ein besonders wichtiges Zeichen der Zugehörigkeit vieler Familien, die an diesem Tag in den Gottesdienst kamen, zur russisch-orthodoxen Kirche. Stattdessen sahen die Fernsehzuschauer nur äußerst knappe Fragmente des Gottesdienstes, deren willkürliche Zusammenstellung gar keinen Eindruck von der Feierlichkeit und der Schönheit der weihnachtlichen Liturgie vermitteln konnte.

Die Weihnachtsfeier für die Kinder war nach Meinung der Fernsehjournalisten „mehr an den weltlichen Bräuchen aus Sowjetzeiten orientiert“. Der Engel Gottes wurde im Bericht mit dem Schneemädchen Snegurotschka verwechselt und Djed Moros gibt es den RBB-Journalisten zufolge erst seit den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Er „galt bei den Russisch-Orthodoxen als eine Erfindung der Kommunisten“. Das Interview mit Vater Anatolij und seine Erläuterungen über die orthodoxe Tradition, über die Integration der Aussiedler-Kinder, über die gemeinsame Teilnahme an der Feier der Kinder aus den orthodoxen, evangelischen und nicht-gläubigen Familien passten nicht ins Konzept der Nostalgie nach den Sowjetzeiten, für welches sich der RBB offensichtlich entschieden hatte, und wurden nicht in den Bericht aufgenommen.

Daher sehen wir uns gezwungen, an dieser Stelle einige Fakten zur orthodoxen Tradition des Weihnachts- und Neujahrfestes zu erwähnen.

Die Geburt Christi, die Weihnachtsfeier für Kinder mit dem Tannenbaum und Väterchen Frost wurde in Russland lange vor den Sowjetzeiten gefeiert. Djed Moros war keine Erfindung der Kommunisten, vielmehr wurde er gerade in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts von ihnen als ein Element des „religiösen Aberglaubens“ bekämpft. Erst viele Jahre später kehrte diese beliebte Kinderfestfigur aus der Verbannung zurück. Jedoch durfte Väterchen Frost zu den Kindern nun an Neujahr kommen und nicht zu Weihnachten, welches zu feiern in der Sowjetzeit undenkbar war.

Djed Moros ist einer der Helden der slawischen Folklore. Die Ostslawen entwarfen das mythische Bild des Frostes als eines Hünen, eines Schmiedes, der die Gewässer mit seiner „eisernen Kälte“ fest schmiedet. Aber er hilft auch den sich verlaufenen Wanderern, zeigt ihnen den Weg. Väterchen Frost fand seine Verkörperung in den altslawischen Epen, in den russischen Volksmärchen und Liedern. Diese sind mehr als zehn Jahrhunderte vor der Geburt jener deutschen Philosophen entstanden, die als Begründer des Kommunismus gelten, welcher das große Unheil für die Russisch-Orthodoxe Kirche und für ganz Russland gebracht hat. In der russischen Literatur des 19. Jahrhunderts findet das Bild vom Väterchen Frost seine Bearbeitung im Werk von V. F. Odoewskij „Moros Iwanowitsch“ (1842), im Poem von N. A. Nekrassow „Frost, rote Nase“ (1863), im Drama von A. N. Ostrowskij „Snegurotschka“ (1873), im Gedicht von V. Ja. Brjusow „Dem Zaren des Nordpols“ (1898) und im karelisch-finnischen Epos „Kalevala“.

Jedoch stellt sich die Frage, ob die Autoren des RBB-Fernsehberichts, die den Engel Gottes vom Schneemädchen Snegurotschka nicht unterscheiden wollten, daran interessiert sind, diese Informationen und die wahre Stimmung unseres orthodoxen Festes ihren Zuschauern zu vermitteln.

  Gemeinde der Russisch-Orthodoxen Alexander-Newski-Gedächtniskirche zu Potsdam KdöR, Moskauer Patriarchat, Berliner Diözese